Aufgrund gesetzlicher Änderungen dürfen in Österreich ab 01.01.2004
unbehandelte Abfälle grundsätzlich nicht mehr auf Deponien abgelagert
werden.
Die Abfälle müssen entweder einer rein thermischen Behandlung oder einer
Kombination von thermischer und mechanisch-biologischer Behandlung
unterzogen werden.
In Niederösterreich wird seither der überwiegende Teil des Haus- und
Sperrmülls in der thermischen Behandlungsanlage der Firma
Abfallverwertung Niederösterreich Ges.m.b.H (AVN), einer 100 % Tochter
der EVN in Dürnrohr, Gemeinde Zwentendorf, verbrannt.
Der Transport der anzuliefernden Abfälle sowie der abgehenden
Verbrennungsrückstände wird zu 90 Prozent auf der Schiene durchgeführt.
In der Verbrennungsanlage der AVN können pro Jahr ca. 300.000 Tonnen
Müll behandelt werden. Da sich die AVN für die Anlieferung per Bahn
entschieden hatte, wurde von ihr die Entsorgungslogistik Austria GmbH
(ELA), eine 100 Prozent-Tochter der Speditionsholding Ges.m.b.H, als
Logistikpartner für den An- und Abtransport der Abfälle und Reststoffe,
beauftragt.
Sowohl für die Anlieferung der Abfälle als auch für den Abtransport der
mit der Bahn abgehenden Reststoffe wurde das System ACTS
(Abroll-Container-Transport-System) als das geeignetste ausgewählt, da
die Abfälle in etwa 30 verschiedenen Versandstationen mittels eigener
Umschlag-LKWs auf die Bahn verladen werden.
Für einen raschen Waggonumlauf wurden zahlreiche Wagenumlaufpläne
erstellt.
Ab dem Bahnhof Wien Zentralverschiebebahnhof wurden zwei zusätzliche
Zugtrassen für die Anlieferung und ab dem Bahnhof
Moosbierbaum-Heiligeneich eine zusätzliche Zugtrasse für die
Abbeförderung der Leercontainer geplant und umgesetzt.
Aufgrund der speziellen Erfordernisse in der Anlage der AVN wird vor
Bereitstellung der Waggons auf die Anschlussbahn eine Vorreihung der
Wagen durchgeführt, da die ACTS-Behälter einerseits mittels LKW und
andererseits mittels Kran vom Waggon abgeladen werden.
Die Frachtbriefdaten werden entweder direkt über XML-Schnittstelle oder
mittels e-Frachtbrief an Rail Cargo Austria übermittelt.
Im Herbst 2003 wurde mit der Anlieferung der ersten kleineren Mengen auf
der Schiene begonnen.
Der Startschuss fiel pünktlich mit 01. Jänner 2004 und aus dem minimalen
Probebetrieb wurde mit einem Schlag ein nahezu 100-prozentiger
Vollbetrieb.
Die Erfahrungen der ersten drei Jahre haben eindeutig gezeigt, dass das
System hervorragend funktioniert. In diesem Zeitraum wurden fast 30.000
Wagenladungen mit Abfällen angeliefert und über 6.000 Wagenladungen mit
der bei der Verbrennung anfallenden Schlacke abtransportiert.
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Günter Korherr
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